02.08.2015 / Uncategorized / /

Engagieren wir uns!

Auszüge aus meiner Festrede zum Bundesfeiertag 2015. In ähnlicher Form gehalten in Rodersdorf, Grindel und Hofstetten-Flüh. Es gilt das gesprochene Wort

Liebi Mitbürgerinne und Mitbürger

Sit 124 Johr wird inde Schwiiz am 1. August s’Jubiläum vom Rütlischwur gfiiret. Mit Dorffeschter, Fürwärch und Nationalhymne fiire mir unsers Land. Doch was definiert unser Land überhaupt? D’Schoggi? Dr Chees? S’Alpepanorama mit de Schneebärge?

D’Schwiiz isch e extrem facetterichs Land. Es isch nid eifach z’sage was genau unser Land usmacht. Mir sind e Nation mit vier Amtssproche, dutzende vo Dialäkt, mit Flachland und hochalpinem Gebirge. Villicht isch ebe grad die Diversittä wo uns usmacht. Sit über 150 Johr funktioniert euse vielfältig Staat fasch immer ribigslos. E söttigi Stabilität chönnd sich andri Staate – odr au gwüssi Unione – nümme wünsche. Uf die Stabilität chönnd mir stolz si, will s’Schwiizr Volk het sie sich sälber erarbeitet und d’Bevölkerig treit se täglich vo Neuem mit. Z’verdanke hämmir se nämmlich i erster Linie de diräkte Demokratie wie mir se aktiv läbe.

Rodersdorf

Rodersdorf

Die direkt Demokratie mit Bundesrot, Parlamänt, kantonale und kommunale Rööt, aber au mit de Initiativene, Referände und de Volksabstimmige sind wahrschinli s’Typischte ande Schwiiz. Als erwachsne Bürger – wonich mi jetzt au sit churzem dörf dezuezelle – händ mir s’Privileg über eigentli jede Entscheid abzstimme und sogar neui Vorschläg mitihzbringe. Es git keini politisch mächtige Persone ide Schwiiz. Es git zwar Lüt mit meh finanzielle Mittel und au meh Ihfluss als anderi, doch meh politischi Rächt als Ihr oder ich hett niemmerds. Unseri Regierig, e demokratischi Institution mit siebe Minischter und ohni würkliche Regierigschef, het viel meh verwaltende als gstalttende Charakter. Was für uns eso sälbstverständlech isch, isch ufde Wält eso einzigartig. In keim andre Land het s’Volk so viil Macht wie inde Schwiz. S’Volk isch dr Souverän. Politiker us andre Staate froged sich mit schöner Regelmässigkeit wie me numme d’Entscheidig über wichtigi Sachfroge de Bevölkerig überloh cha. Und vili Mensche i andre Teil vode Welt kämpfe drfür au numme ahnöcherndi Rächt und Freiheite üebrzcho wie mir se tagtäglich problemlos wohrnäh chönne.

D’Demokratie isch nid öppis wome cha lehre. S’Demokratieverständnis muss über Generatione wachse und zunere zentrale Läbenshaltig wärde. D’Wältgschicht ide letzte Johrzähnt und au momentan het a vilne Bispil zeigt dass e Systemwächsel zur Demokratie ebe nid vo obenabe bestumme wärde cha. Will e zentrale Aspäkt vo unsere und dodrmit ere funktionierende Demokratie isch d’Akzeptanz.
Es isch wichtig, dass vorde Abstimmige kontrovers und ihgehend über d’Vorlage diskutiert wird, dass sich Politik, Medie und Stimmbürger demit usenandersetze und die ahbottnige Lösige hinterfrooge. D’Meinigsfreiheit isch eins vo unserne wichtigschte Grundrächt und au ein vo unserne grösschte Vorteil. Zwar durets ame sehr lang bis öpppis in Chraft gsetzt wird, doch het zu däm Zitpunkt denn abr jede Involviert mindeschtens eimol sini Meinig drzuegseit und d’Vorlag isch normalerwis eso ahpasst worde dass praktisch jede irgendwie drmit läbe cha. So bruchts aso nid nume d’Akzeptanz vodr bi de Abstimmig untrlägne Site sondern au ganz eifach kompromissfähigi Lösige. Sottigi Lösige händ sit 1848 nämmlich wesentlich zur Einheit und Stabilität vo unsere Schwiiz bitreit.

Die diräkt Demokratie und d’Stabilität vo unserm Land isch au öppis womer aktiv Sorg drzue müen gäh. D’Erhaltig vom Erreichte passiert nid von allei. In Volksentscheid gohts ebe grad drumm, dass nid e chlini Elite sälbstgfellig s’Land stüürt und kontrolliert und dass nid e Minderheit über e Mehrheit regiert. Mir müend ufpasse, dass das au eso blibt. S’politisch Deinsträsse und die zum Teil erschreckend tiefe Stimmbeteiligunge müemmer Ärnst neh. Binere Stimmbeteiligung vo 35% isch d’Zuestimmig zunere Abstimmigsvorlag mit 50,08% und dodrmit ihrer Ahnahm wahrschinli viil mehr Zuefall als Willensusdruck vo dr Bevölkerig. Wenn inre Gmeind mit 800 Stimmbürger nur fufzäh vonene a d’Gmeini göhn zum über die aktuelle Vorlage abzstimme bichömme die wenige für e churzi Zit sehr vil Macht. Vor allem aber verpasse die Abwäsende d’Chance mitzrede und mitzbestimme. Sind die Nitstimmende denn mit Entscheid nit ihverstande dörfe sie sich au nid bechlage. Sie händs verpasst ihres Bürgerrächt wohrzneh und müen sich sälber an dr Nase neh.

Grad bide jüngschte Stimmberächtigte zwüsche 18i und 24i isch d’Stimmbeteiligung am Tiefschte obwohl sie am Längschte mit de troffne Entscheidige läbe müend. Worum isch das so?
Sind mir Junge und d’Schwiizr allgemein eifach z’sorglos worde? Johrzähntelangi politischi Stabilität chönne sicher au langwilig erschiene. Unseri Grosseltere händ no dr Zweit Wältchrieg miterläbt, unseri Eltere sind villicht durch d68er- oder d’80er-Unruhe politisiert worde. Und mir?
Au wenn dr Umgangston in dr Politik und inde Medie hüt rauer worde isch, isch d’Schwiizer Politik im Vrglich mit de andre Länder doch ender ruhig, ebitzli schleppend und weniger unterhaltsam. In Griecheland wärde d’Parlamentarier während de Sessione wenigstens nonemol ebitzli lut und z’Italie fliege vellich au emol d’Füscht. Und au inde Zitige und im Internet sind d’Brandhärd und die aktuelle Theme nid bi uns sondern meistens neime andersch uf dr Welt.
Es muss sich aber au gfrogt wärde ob d’Politik die Junge hüt nümmi betrifft? Fühle mir uns nid verstande, nid verträte, nid ärnstgnoh odr nid akzeptiert? Hüfig wird vo Junge als Grund wieso sie nid gönd go abstimme gseit d’Vorlage sige z’kompliziert und wurde uns nid beträffe. Intressant wär do wahrschinli wie d’Stimmbeteiligung bide Junge wär wenns um d’Legalisierig vom Cannabis-Konsum giengi.

Grindel

Grindel

Unsri Politik muess zielgrichtet und vorallem au zuekunftsorientiert si. Die allermeiste politische Vorstöss sind wichtig für unseri Zuekunft und für unser Läbe in dr Schwiiz. Dänkemer do an d’Energiegfrog, d’Umwältpolitik, d’Wirtschaftsförderig oder s’Gsundheitswäse in Abetracht vode sich verändernde Demographie. Sottigi Froge sötte uns Jungi brennend intressiere, beträffe sie uns doch viel stärcher und länger als die ältere Generatione.

Doch s’wahrschinlich grösste Problem wommer uns hüt gegenüber gsehn isch das dr Glaube an d’Vrändrig verlore gange isch. Hüfig ghört me die z’Bärn oder z’Soledurn wurde doch eh nur mache was sie wännd, do nutzi eiges Engagement doch nüt. Das stimmt nit.
Dr grösscht Vorteil vo unsere Basisdemokratie isch ebe grad, dass me inde Schwiz nid mächtig si muess zum öppis verändre. Me muess au nid Millionär si. Wichtig sind viel meh Enthusiasmus, Fliss und sehr vil Durchhaltevrmöge. Vo nüt chünnt nüt.

S’Engagement im Chline isch sogar extrem wichtig. Unseri Schwiizer Demokratie funktioniert nur dank em Föderalismus. D’Gmeinde händ e sehr starchs Sälbschtbestimmigsrächt dur das wiederum die einzelne Bürgerinne und Bürger besser in Entscheidigs- und Entwickligsprozäss ihbezoge wärde. Die meiste Veränderige entwickle sich vo unde usem Volk use und wärde nid eifach vonere Zentralregierig übr d’Chöpf vode Bürger drüber bestimmt.
S’politische Engagement isch au hüfig drmit verbunde dass me sich für andri ihsetzt. Me macht sich fast immer für s’Ahliege vome bstimmte Teil vo dr Bevölkerig stark obwohl me vellicht gar nid zu däre ghört. Sottigs umsichtigs und nochhaltigs Engagement fürenander, für die zuekünftige Generatione oder au für Minderheite schafft Stabilität und stercht dr Zämmehalt.

D’Schwiiz läbt ebe grad wäg ihrer vielfältige Zersplitterig – mir im Leimetal wüsse das natürlich ganz bsunders – in verschideni Sprochregione und Landesteil ebe devo, dass d’Lüt sich für sie engagiere. Mir alli präge durch unser Handle e chlei wenig s’Bild vo unserem Land mit. Mir und unseri Vorfahre händ dezue biträit dass s’Konzäpt Schwiiz sit 1848 zume Erfolgskonzäpt worde isch.
Grad drumm isch d’Jugendförderig und die politisch Förderig vo Junge eso wichtig. Mir gsehn immer meh e Grabe zwüsche de Generatione. Verein, Parteie abr au Gmeindskommissione und sogar Gmeindröt chönne ihri Positione nümmi bsetze. Alli hän zmindest Müeh Nochwuchs zfinde. Mir, die hütig Jugend, isch ebe au e Generation vode Möglichkeite. Es git als Freizitbeschäftigung ebe nümm numme dr Turnverein, d’Musigggsellschaft oder e Ortspartei in dr Heimetgmeind. Viel meh chönne mir problemlos und sogar ohni Auto innert churzer Zit dank Postauto, Tram usw. in andri Ort fahre und händ so e risigi Uswahl unsri Freizit z’plane. Und sogar vo dehei us chame sich bequem im Internet verwile. Drumm mümmer kämpfe demit sich widdr mehr Mensche engagiere in unserer Gsellschaft und Gmeinschaft. Ohni das Engagement zämme für unsers Land, unseri Mitbürger und unseri Nochfahre wärde mir vom Erfolgspfad abcho. Die Millione vo Stunde Freiwilligearbet wo jedes Johr in unserer Eidgenosseschaft gleistet wärde sind dr Kitt wo dä Bund zämmehebt, wo e fridlichs Zämmeläbe ersch ermöglecht.

Doch wie chame sich engagiere?

S’guete ande Schwiiz isch ebe dassmer meistens nid uf d’Stross müend demit unsre Wille ghört wird. D’Konkordanz, aso s’Ihbezieh vo allne Inträssegruppene in d’Entschädigisprozäss, isch e witters Merkmal vode Schwiizer Demokratie. Mir probiere Lösige zfinde wo für alli irgendwie verträtbar sind. S’Zauberwort vode Schwiizer Politik heisst Kompromiss. Kompromiss entstöhnd allermeistens zwüsche de verschiedene Parteie odr Inträssegruppe. D’Parteie vrträte wiederum ihri Wählerschaft wo gwüssi Inträsse het. Au politischs Engagement passiert in dr Regel über Parteiorganisatione.

Jungi wännd sich hüfig nid scho im junge Alter ane Partei binde. Das isch verständlich will sich natürlich au d’Bedürfniss, Ahsichte und politische Positione über d’Johr no starch verändere chönne. Gnau drumm gits s’Jugendparlamänt Schwarzbuebeland.
S’Jugendparlamänt isch e parteipolitisch neutrali Organisation vo Junge für Jungi, usde Region für d’Region. Was mir mache? Das chunnt ganz drufah wo d’Prioritäte vo unserne Mitglieder ligge. Thematisch simmer für alles offe. Mir erwarte nur e demokratischi Grundhaltig mit Engagement, Kompromissfähigkeit, Akzeptanz und Freud an dr Sach. S’Jugendparlament isch e Ort vo de tuusig Möglichkeite für d’Generation vode tuusig Möglichkeite. Und no viel meh isch s’Jugendparlamänt e Ort vode starche Basisdemokratie und dodrmit e Ort für e starchi Schwiiz!

Mir fiire hüt unsere Nationalfirtig und mir dörfe stolz si uf unsri Schwiiz. Stolz uf d’Stabilität, d’Läbensqualität aber vielmeh au uf s’Zämmeghörigkeitsgfühl und s’Engagement fürenander. In dr Schwiiz gits abertusigi vo Möglichkeite sich politisch oder nidpolitisch z’engagiere und so andr Erfolggschicht Schwiiz aktiv mitzschaffe. Nutze mir das Potential wo in unsere Gsellschaft schlummeret no besser und d’Schwiiz wird au in Zuekunft e vilfältigi, wirtschaftsstarchi, freiheitlichi Demokratie blibe!