01.10.2015 / Uncategorized / /

Die Schweiz und Europa – eine vielschichtige Beziehung

Die Schweiz liegt unzweifelhaft inmitten von Europa. Wir sind kulturell und wirtschaftlich eng mit unseren Nachbarländern verflochten. Jedoch trennt uns auch einiges, der grösste Unterschied besteht natürlich in unserem politischen System welches alle Bürgerinnen und Bürger basisdemokratisch miteinbezieht. Anders als es im Wochenblatt letzte Woche geschrieben stand verurteile ich die Masseneinwanderungsinitiative und deren Annahme durch das Volk sicherlich nicht. Ich bin überzeugt, dass die Initiative eine Sorge anspricht die viele umtreibt: Die Angst vor einem ungebremsten Bevölkerungswachstum und einer unkontrollierbaren Zuwanderung.

Was ich hingegen bemängle ist, dass behauptet wird die MEI würde eben diese Zuwanderung bremsen. Die angestrebten Kontingente werden sich nach den Interessen der Wirtschaft richten und es ist nun mal so, dass die Schweizer Wirtschaft auf die meisten der ausländischen Arbeitnehmenden angewiesen ist. Somit wird es auch mit Kontingenten kaum zu weniger Zuwanderung kommen.
Neben der Kündigung der Bilateralen I und der Schädigung unserer Beziehungen zu Europa wird einzig und allein ein riesiges Bürokratiemonstrum geschaffen. Anstelle von Investitionen in die Ausbildung von mehr inländischen Fachkräften und um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, anstelle von Massnahmen um zu verhindern dass über 50-jährige Schweizer durch günstigere und jüngere EU-Bürger ersetzt werden, verpuffen all diese Mittel in einem wirkungslosen Kontingentierungssystem.

Die Zuwanderung und ihre Folgen sind eine vielschichtige Angelegenheit und es gibt keine einfache Kontingentslösung für sie. Deshalb müssen wir das Problem auch auf diesen verschiedenen Ebenen angehen und dabei die bilateralen Beziehungen zur EU zum Wohle des Erfolgsmodells Schweiz erhalten.

Erschienen im Wochenblatt vom 1. Oktober 2015.