02.08.2017 / Uncategorized / /

1. August-Ansprache

Am vergangenen 1. August durfte ich an der Bundesfeier des Alterszentrums Bodenacker in Breitenbach und an der gemeinsamen Feier von Bättwil und Witterswil die Festrede halten. Nachfolgend das (bereits schweizerdeutsche) Manuskript der Rede in Bättwil. 

Liebi Witterswilerinne und Bättwiler, liebi Bättwilerinne und Witterswiler

Es isch mir e grossi Freud und Ehr hüt do dörfe z’schwätze und ich möchtmi a dere Stell scho härzlich bide beide Gmeindröt für d’Ihladig bedanke.

Hüt fiire mir offiziell unseri Heimat, d’Schwiiz. Heimat – das isch e grosses Wort. Grad am Nationalfirtig setze mir uns wohrschinli meh als susch s’Johr dure mit unserer Heimat, dr Schwiiz, usenand. Meistens stellt me sich unter Heimat s’Land, d’Region oder s’ Dorf vor, wome ufgwachse isch, wo d’Familie härchunnt oder wome dr Grossteil vo sim Läbe vrbrocht het. Die meiste do wohne z’Bättwil oder z’Witterswil und sind dört au zmindescht e Stück wit dehei, die einte meh die andre weniger. Aber ab wenn isch unser Wohndorf eigentlich au unseri Heimat?

S’Heimatgfühl isch öbbis sehr persönlich und loht sich nid exakt umrisse. Heimat isch ebe vil meh als nur e geographischi Ortsahgab. Was wahrschinlich vil wichtiger isch as dr effektivi Ort sind d’Mensche wo dä Ort usmache, es goht um Erinnerige an gmeinsami Erläbnis, Traditione und Wärt wome sich vrbunde fühlt und e gmeinsami Vrgangeheit.

Mini ganz persönlichi Heimat isch sehr vielschichtig. Ich fühl mi starch mit Bättwil und em hintere Leimetal verbunde. Wennme bim Heicho scho allne Nochberschatze wome sälbverständlich kennt cha sali säge isch me a däm Ort sicher dehei.

Weme Heimatgfühl füre Ort het kümmerets eim vil meh was dört passiert und sie sind drum wichtig füre Zämmehalt und d’Entwicklig vome Dorf. Ich fühlmi aber au durch mis politische Engagement starch mit unserer Region und mittlerwile würkli au mit däm sunsch so färne Kanton Soledurn und de Mensche do vrbunde. So cha s’Heimatgfühl sicher au gstärkt wärde in däm me sich für si Wohnort ihsetzt.

Grad in dr Schwiiz als «Willensnation» isch es enorm wichtig, dass mir uns mit unserer Heimat und vor allem ihre Wärt und Traditione vrbunde fühle. Mir definiere uns nid über ei gmeinsami Sproch odr Konfession sondern mir ghöre eifach zämme willmer zämme ghöre wännd. Umso wichtiger isch die vrbreiteti Grundihstellig, dass mir us Übrzügig zämmeghöre. Zwüschenem Chemiker in dr Region Basel, über dr Untrnähmer z’Gänf bis zum Tessiner Bärgbur ligge Wälte doch solang die us Übrzügig sage mir sind Schwiizer und sich und ihri Läbensrealität vrträtte fühle und wenn sie sich ebe über ihri Grundwärt vrbunde fühle denn funktioniert unser Land.

D’Bedütig vo unserne Wärt isch in de vrgangene Johr oder Johrzähnt ganz sicher z’churz cho. D’Schwiiz het sehr hochi Zuwanderigszahle gha und sich massiv veränderet. Ellei inde letschte zäh Johr isch d’Bevölkerig vo 7.5 uf 8.5 Millione gwachse. Die unterschiedliche Kulture wo do ufenanderpralle bärge grosses Konfliktpotential. Integration und Rücksichtnahm uf d’Zuwanderer sott ebe nid heisse asmer inde Schuel kei Wiehnachte meh firt odr sich nümm d’Hand git. Das isch komplett falsch verstandeni Toleranz und mir vrlügne uns und unsers kulturelle Erbe. Je meh Ihwanderer s’git desto stärcher müend mir eigentlich unseri Wärt und Traditione läbe und denn ebe die Zuegwanderete offe in die mitihbezieh. Wenn me ine fremds Land goht ghört sichs halt sich in der Öffentlichkeit ahzpasse. Glichzitig ghört zude freiheitliche Schwiiz aber ebe au, dass me im Private witter sini Religion dörf usüebe und sine eigete Traditione pfläge. Trotzdäm wird d’Zuwanderig müsse brämst wärde damit sie sozial vrträglich blibt. Sich vollkomme abzschotte wär aber genauso e Wärtevrluscht. D’Schwiiz mit ihrne zahlriche Sproche und Kantön isch konservativ-offe. Eigentlich ziemlich offe abr immr und sicher teils au zu Rächt bsorgt drüber.

S’starke Bevölkerigswachstum bedroht ebe in vilne Pünkt d’Freiheit und d’Sälbständigkeit vo unserem Land. Während d’Bevölkerigszahl ume Million gstige isch isch d’Flächi vo unserem Land um kei Quadratcentimeter gwachse. In dr Verchers- und Ruumplanig wärde grossi Useforderige uf uns zuecho. Dass es sit e paar Johr ändlich e nationals Ruumplanigsgsetz git, wo zwar d’Gmeinde in ihrer Autonomie ebitz ihschränkt, wird langfristig e Freiheitsgwünn si. Mir chönne au us landwirtschaftliche Gedanke nid eifach eso witterbaue wie bishär. Dr Sälbschtvrsorgigsgrad vodr Schwiiz isch mit 55% konstant tief und es wär schlicht fahrlässig wenn no meh fruchtbars Land vrlore gechti.

Unsere Läbensstandard isch im Momänt eso hoch wieners nonie gsi isch und wahrschinli au nieme wird si. Me muess gseh dass mir am Höhepunkt ahcho sind oder dä sogar scho vrbi isch. Mini Generation wird wohrschinli sit Johrhunderte die ersti si wo weniger het as ihri Eltere und wo mitme niedrigere Läbensstandard muss usscho as sie sichs us ihrer Chindheit gwohnt isch. In erster Linie wärde mir sicher weniger Energie müsse bruche. Dr durchschnittlich Schwiizer brüchti die unglaublich hoch Zahl vo 3.2 Erde zum si Läbensstandard chönne nochhaltig ufrächt bhalte, dr durchschnittlich Weltbürger läbt mit 1.7 Erde immrno dütlich über sine langfristige Möglichkeite. In wenige Johrzähnt wird dr Ölpris und au anderi Ressource e vielfachs höcher si als hüt und unsers Läbe wird drastisch anders usgseh als hüt.

Au susch wird sich einiges ändere und viles wo d’Generatione sitem 2. Wältchrieg ufbaut händ isch leider gföhrdet. Mir wüsse nid was ussepolitisch wird goh. A vilne Orte stöhn d’Zeiche leider widdr uf Chrieg. D’Schwiiz sott als zwar westlichs Land umbedingt wieder neutraler wärde. Die verschiedene Kulturregione uf däre Wält rutsche immer meh usenand und do wird d’Schwiizer Diplomatie hoffentlich verschiedeni Krise chönne entschärfe. Europa wird sich müesse vode USA emanzipiere. Vil z’fest het me johrzähntelang alles mitgmacht wo Washington diktiert het und drbi vili eigeni Wärt übr Bord gworfe. S’einzig positive a dr Präsidentschaft Trump schint das Vrwache z’si.

D’Globalisierig allgemein wird nümm chönne eso wittergoh wie bishär. Meh und meh hend s’Gfühl dass dr normal Bürger wo tagtäglich siner Arbet macht nid odr nüt meh drvo profitiert. Es isch besorgniserregend wie undemokratisch ellei scho d’EU isch und wie starch dört dr Ihfluss vo Lobbyvrbänd isch. Ein vode Schwiizer Grundwärt isch ebe au d’Solidarität innerhald vo dr Gsellschaft. Die Globalisierig wo nur gsichtslosi, multinationali Unternähme und ihri Aktionäre profitiere währenddäm die normal Bevölkerig die schlächte Uswirkige dörf trage wänn und bruche mir nit. Mir müend vrhindere, dass bi däne Entwicklige dr Chärn vo unserer Gsellschaft, die funktionierende Familiene und Gmeinschafte, unter d’Reder chömme. Am Schluss muss immr dr Mensch im Zentrum stoh und nid s’Gäld.

Je schlächter d’Ussichte in dr witte Wält sind umso wichtiger isches, dass mir in unserne Familiene, Fründeschreise und Dörfer e gegeteiligs Bispil läbe. Dodrbi isches enorm wichtig, dass sich die vrschiedene Landesteil, Gsellschaftsschichte und Generatione gegesitig vrständige und sich uf allgemeinvrträglichi Kompromiss einige. Extremlösige passe nid zu dr Schwiiz und de Schwiizer. E Demokratie mit starke Familie und lebändige, aktive Gmeinschafte wo sich d’Lüt engagiere haltet vil meh us als e bürokratische Beamtestaat wos praktisch nur d’Vrwaltig git und dr eifach Bürger nid vil z’mälde het. Dass mir das chönne ufrächt erhalte müend sich abr umbedingt widdr meh Lüt im Milizsystem engagiere.

Jo die nöchste Johr und Johrzähnt wärde sicher nid ganz eso eifachi wärde. Umso wichtiger isches dass mir au als Jungi unseri Traditione läbe und uns für unseri Heimat abr au unseri Familiene ihsetze. Wenn mir nümm wüsse wohär mir chömme, denn wüsse mir ganz sicher nid woanes in dr Zuekunft söll goh. Durum isches wichtig, dass mir uns in unsrem Land uf unseri Wurzle besinne und widdr meh unseri eigene Wärt läbe.

Sie alli händ dass hüt zobe gmacht und sind mit guetem Bispil vorah gange, in däm Sie do ufe Strussehof cho sind zum sogar überkommunal inere grosse Dorfgmeinschaft dr 1. August z’fiire – obwohl sie mir e viertelstund lang händ müesse zuelose, das rächnich Ihne hoch ah!

Im Name vo de Gmeindröt vo Witterswil und Bättwil dörf ich mi an däre Stell no herzlich für s’Sponsoring vode Band durch d Raiffisebank Birsig und bim Martin Speiser wo das möglich gmacht het bedanke. Gnau so, und ich dänk do sprich ich für Sie alli, möcht ich mi bi dr Familie Fisch für ihri Gastfründschaft und ihres Engagement bedanke wo die 1. Augustfir do ufem Strussehof ermögliche.

Und z’gueter Letscht möcht ich mi au härzlich bi Ihne für Ihri Ufmerksamkeit bedanke und Ihne allne none schöne, gsellige Obe wünsche!

 

Es gilt das gesprochene Wort.